Monday, 16 July 2007

12. Juli – Schadensbegrenzung

Das Wetter hat sich beruhigt und nach leichtem Morgen Nieseln fallen erste goldene Strahlen durch die Wolken.
Unser erster Arbeitstag im Hostel. Für die kommende Zeit werden Daniela und ich jeden morgen zwei Stunden sauber machen und können dafür umsonst in der Mousetrap wohnen. Auch Internetnutzung und Wäschewaschen ist inklusive.
Daniela ist für Dorms, Staubsaugen, Wischen und Müllentsorgung zuständig, während ich mich um die Zweibettzimmer, Duschen, Toiletten und Küchen kümmere. Für die Wäsche ist ein drittes Mädchen zuständig (29, England/Oxford).
Nach der Arbeit haben wir auf Shaun’s Bitte hin, beim Boot vorbeigeschaut. Die Masten, die neben dem Boot auf Tonnen liegen sind umgekippt und auf die Leiter hoch zum Deck gefallen, die daraufhin gebrochen ist. Zum Glück sind die Masten jedoch nicht gebrochen und haben keine Dellen abbekommen.
Eine seiner Solarplatten an Deck hat sich gelöst und ist durch die Luft davon gewirbelt. Sogar das Boot selbst ist in leichte Schieflage geraten.
Wir haben die Masten mit Hilfe wieder auf die Tonnen gehoben und das Richten des Bootes beaufsichtigt, sowie einen Schadensbericht an Shaun durchgegeben.

11. Juli – Wintersturm

Mit teilweise unglaublichen Windgeschwindigkeiten ist ein Sturm über das Northland hinweggefegt. Der Regen ist den ganzen Tag herab gepeitscht. Selbst mein zweieinhalb Tonnen schweres Auto hat leicht im Wind geschwankt.
Der Wind hat Dächer abgedeckt, Bäume umgeknickt und damit die Stromversorgung lahm gelegt. Der Regen hat zu Überschwemmungen und Erdrutschen geführt. Unglaublich. Die Strassen waren teilweise unpassierbar. Weiter im Norden mussten Leute evakuiert werden. Die Stromversorgung ist andernorts über Stunden zusammengebrochen, während es bei uns nur zu vorübergehenden Ausfällen gekommen ist.
Passiert einem so etwas im Supermarkt, kommt die Weisheit: „Nur Bares ist Wahres!" zu neuem Glanze.
Doch die Majestät des Meeres, wenn es seine Fluten mit voller Wucht gen Land peitscht. Diese zügellose Wildheit, die bei einem Sturm zum Ausdruck kommt…

07. Juli – Birdman Competition

30 min. durch den Dschungel hoch zum...

...Viewpoint und dann...


... im strahlenden Sonnenschein mit der Fähre nach Russel übergesetzt, um uns die Birdman Kompetition anzusehen. Im Rahmen selbiger verkleiden sich Erwachsene, rennen einen Steg entlang, über eine kleine Rampe und springen ins Meer.


Für das beste Kostüm und den weitesten Sprung gibt es jeweils Preise. Steg und Strand waren vom schaulustigen Publikum gut besucht.
Danach haben wir uns getrennt und während Katharina und daniela sich an den Strand gesetzt haben, bin ich zu einem Viewpoint hochgestiefelt und den Blick über Russel und die Bucht genossen.

06. Juni – Tropf, tropf, tropf

Grau und nass - haben die Hundertwasser-Toilette in Kawakawa bewundert. (Hundertwasser selbst ist auf seiner Farm in der Nähe begraben und der Baum, der in der Toilette wächst ist der letzte, den er noch eigenhändig gepflanzt hat.)
Keikeri besucht, um Leuten, die wir dort kennen gelernt haben Hallo zu sagen.
Habe Robert Harris „Fatherland" in wenigen Tagen durchgelesen. Ein Krimi, der in einem fiktiven Deutschland spielt, dass den II. Weltkrieg gewonnen hat. Wow! Beeindruckend, beängstigend und doch – spricht es mich an, diesen Gedanke durchgespielt zusehen – ohne Scham, die Gedanken um den II. Weltkrieg in Deutschland immer begleitet.
Das Highlight ist in der Nacht passiert und ich habe nichts davon mitbekommen. Unser Raum ist nicht mit dem eigentlichen Haus verbunden. Tür und Fenster liegen zum Parkplatz vor dem Haus. Zu Küche und Badezimmer müssen wir außen herum gehen. Ich war als Letzte von uns noch Händewaschen, habe erwogen, die Tür abzuschließen und mich dagegen entschieden, da irgendeine immer noch mal mitten in der Nacht muss.
Gegen zwei Uhr in der Nacht hat ein Mann die Tür geöffnet, das Licht angeschaltet, sich vor Katharinas Bett gestellt und begonnen, zu masturbieren. Sie ist aufgewacht und hat angefangen zu schreien. Der Typ ist weg gerannt und Daniela, von dem Schrei in Halb-Acht-Stellung, ihm nach. Sie hat ihn nicht erwischt. Aufgewacht bin ich erst von den aufgeregten Stimmen der Beiden.
Am Tag danach sind der Wirt und Katharina die Bänder der Videokameras durchgegangen und konnten sehen, wie der Typ von der Strasse die Einfahrt hochgekommen ist, alle zugänglichen Teile des Hauses durchstreift und den Kühlschrank inspiziert hat. Bemerkenswerterweise blickt er bei keiner Aufnahme direkt in die Kamera.
Wir haben erwogen, den Raum zu wechseln, haben uns aber dagegen entschlossen, da der Typ zunächst alle anderen Türen getestet hat und zu unseren Räumlichkeiten zuletzt gekommen ist.
Der Wirt hat die Polizei informiert, die unsere Aussagen aufgenommen und mit dem Versprechen sich um den Vorfall zu kümmern wieder abgerückt ist.

05. Juli – Ein Traum…

… in einer lieblichen Bucht im Sonnenschein ein Boot streichen. Wir konnten sechs Stunden arbeiten, bevor es anfing zu regnen. Zwischendurch gab es ein Eis und unser Arbeitgeber hat vorgeschlagen, den Tag in einem Pub mit einem Bierchen stielvoll ausklingen zu lassen. Wir drei, die beiden Kanadierinnen und er, alle glücklich ordentlich was geschafft zuhaben.
Unser Arbeitgeber ist ein äußerst interessanter Typ. Geboren in England in der Nähe von Manchester. Vehementer Unterstützer des Fußballvereins Liverpool. Hat sein Heim mit 16 Jahren verlassen und sich voll ins Leben gestürzt.
Er wohnt in Russel bei Freunden und hat sein Boot in Opua liegen, wobei seine Mannschaft (wir 5 Mädelz) in Pahia sind.
War 26 Jahre für Greenpeace tätig, unter anderem auch auf der Rainbow Warrior (vor NZ’s Küste versenkt). Er ist ausgebildeter Navigator und hat Greenpeace Aktivisten für Einsätze trainiert.
Momentan ist er bei „Ärzte ohne Grenzen" und in Teilen für die Logistik verantwortlich.
NZ war über Jahre seine Homebase, zu der er von überall in der Welt hin zurückgekehrt ist. Bei seinem letzten Auslandaufenthalt, bei dem er dabei geholfen hat, Dörfer in Kolumbien mit Medikamenten zu versorgen, hat er eine Frau kennen gelernt und sich verliebt. Sie ist in einer unglücklichen Beziehung und hat eine dreijährige Tochter. Nun plant er seinen Standort in NZ aufzugeben (Motorrad/Auto verkaufen, Boot startklar machen) nach Spanien zu gehen und sie samt Kind dorthin nachkommen zu lassen. Raus aus Kolumbien, weg von dem anderen Mann, hin zu einer hoffnungsvollen Zukunft.
Er ist so anrührend, ein Seebär, mit Kampnarbe und Stecker im Ohr, rundlich, um die Vierzig, der Liebesbriefe auf Spanisch schreibt (mit Lexikon, er lernt noch) und
versucht eine Kindergeschichte für das Mädchen zu verfassen…

04. Juli – Bootswetter

Das Wetter heute Morgen ist traumhaft. Blauer Himmel, Sonne, funkelnde Wellen. Das Meer ist am Ende unserer Strasse, von der Terrasse aus können wir sein Rauschen hören.
Gegen 10:00 hat uns unser neuer Arbeitgeber abgeholt und zum Boot gefahren, das einige Kilometer weit weg in Opua aufgedockt ist. Der Körper des Bootes muss stellenweise mit Rostschutzfarbe bepinselt werden. Die Masten, einzelne Elemente, das Boot selbst gestrichen werden.

Leider konnten wir nur wenige Stunden arbeiten, da dann Regen aufzog. Also alles abdecken und zurück. Ausbeute des Tages $40 pro Person. Wenig, doch besser als nichts für eine Arbeit, die uns super viel Spaß macht. :o)

03. Juli – Brückentag

Wieder geht sie los, die Jagd nach Arbeit. Wir haben in einem Backpacker, genannt Mousetrap (Mausefalle) eingecheckt. Am Morgen haben wir als erstes den Besitzer gefragt, ob er jemanden wüsste, der nach Arbeitskräfte sucht. Der Besitzer selbst sucht Leute, die für ihn das Hostel putzen und dafür frei wohnen. Das wäre schon mal ein Anfang. Eines der Mädel (Kanadierin, 21), das für ihn arbeitet hat uns gehört und meinte, dass der Mann, für den sie und ihre Schwester arbeiten, Leute sucht, die ihm helfen sein Boot zu renovieren.
Mit selbigen haben wir später gesprochen und er sagte, dass wir morgen früh, abhängig vom Wetter, bei ihm anfangen können. $10 die Stunde bar auf die Kralle. :o) Die Götter scheinen uns zuzulächeln.
Letzte Dinge in Kerikeri geregelt und Klamotten für Maler- und Streicharbeiten rausgesucht.

02. Juli – Der dicke Spatz in der Mitte…

Das leichte Morgennieseln hatte sich bis zum Frühstück beruhigt. Unser Hostel steht ganz für sich alleine im Busch. Diese erhebende Atmosphäre gedachten wir bei einem Frühstück draußen auf der Holzterrasse vor dem Haus zu genießen.

Eine kleine Rastbank-Kombination lädt dazu ein. Intelligenterweise haben wir beschlossen, uns alle drei auf die gleiche Seite zu setzten, um den Ausblick in den Garten genießen zu können.
Ergo, die Bank-Kombination kippt in dem Moment in dem wir uns setzten um und ergießt unser Frühstück (Tee, Jogurt, Brot…) über uns.

Spontanes Kommentar von Daniela: „Dem dicken Spatz in der Mitte geht es nicht immer am Besten…!" – Sie hat in der Mitte gesessen und am meisten abbekommen.
Nachdem wir eine Strafgebühr von $0,20 für unsere verspätete Abreise gezahlt haben, geht es zurück Richtung Cape, doch nicht zum Cape selbst, sondern zur größten Wander-Sanddüne NZ’s. Diese haben wir bewandert. Der Blick von der Düne zum/übers Meer ist umwerfend.

Wir haben und gefühlt wie in der Wüste. Wir waren barfuss, der Sand, getragen vom Wind, hat uns die Haut von den Waden gerieben, zumindest hat es sich so angefühlt.

Später sind wir zurück zur Bay of Islands gefahren (ca. 200 km). Da wir nicht wieder zurück nach Kerikeri wollten, da wir arbeiten wollen/müssen, haben wir uns entschlossen in Pahia einzuchecken, ein Städtchen direkt am Meer, 20 km von Kerkeri entfernt.

Zu dritt zu Reisen, ist eine interessante Abwechslung davon, alleine unterwegs zu sein, wobei ich doch froh bin, generell alleine zu reisen. Wir kochen, lachen und erleben gemeinsam und doch, die Bande, die uns verbinden binden uns auch…

01. Juli – Cape Rienga

Der Morgen war total verregnet und unsere Stimmung ist zunehmend gesunken, den wir hoffen, das Cape im Sonnenschein zu sehen.
Wir haben das Anncient Kauri Kingdom besucht. Eine Werkstatt mit angeschlossenem Laden und Cafe. Hier wird Kauri Holz zu Kunstwerken verarbeitet. An den Wänden hängen Erklärungstafeln und Bilder, die alle Kauribäume zum Thema haben.
Das Zentrum des Ladens bildet ein Kauristamm von enormen Ausmaßen. Selbiger ist unter anderem im Reiseführer abgebildet. Als ich ihn gesehen habe, war es einer der Momente, in denen ich immer wieder vor Freude die Luftanhalte.

Wenn ich feststelle, dass ich „mitten im Bild" bin. Ich bin nicht weit weg und träume davon, hier zu sein, all diese exotischen Dinge und wunderschönen Aussichten zu genießen, die in Fotobänden und Reisebüchern zu sehen sind. Nein, ich bin mitten drin, erlebe alles haut nah, lebe meinen Traum. Herrlich!
Der Ninety Miles Beach hingegen hat mich nicht so beeindruckt. Mein erster Gedanke war: „Wie auf Sylt." Breiter Sandstrand, unendlich nach rechts und links, von vorn die unermüdlichen Wellen des Meeres, im Rücken Sanddünen. Keine Palmen, keine besondern Muscheln. So lalala.
Cool wäre es gewesen, den gesamten Weg bis zum Cape direkt am Strand land zu fahren. Das ist grundsätzlich erlaubt und viele Touranbieter nutzen diesen Weg. Doch möglicher Treibsand und Hazard-Warnungen haben meine deutsche, auf Sicherheit bedachte Seele davon abgehalten. ;)
Cape Rienga selbst ist schön. Wir hatten Glück und konnten es im Sonnenschein genießen. Die letzten Strahlen der untergehenden Sonne vergoldeten unseren Aufenthalt dort.

Für die Nacht haben wir in der Nähe eingecheckt, um am Morgen noch mal zurückzukehren.
Meine Erkältung hat sich bis auf einen trockenen Husten beruhigt. Habe versucht selbigem mit diversen Elixieren zu Leibe zu rücken. Nichts scheint zu helfen.
Unsere Wirtin hat mich damit aufgescheucht, dass es sich um eine Bronchitis handeln könnte. Sie hat ein Fieber-Thermometer und ein Buch zur Selbstdiagnose angeschleppt. Silberwasser und hoch konzentriertes Vitamin C sollen helfen.
Sie hat mir von beidem kleine Mengen eingepackt.

30. Juni – Abschiedsfeier

Wir haben abschießend die Packhäuser angerufen, um abzuchecken, ob dort noch was zu machen ist. Dann wurden Rucksäcke gepackt und Pläne geschmiedet.
Morgen geht es hoch zum Cape. Wir reisen zu dritt. Daniela (29) und Katharina (19) beide aus D werden mich begleiten.
Den Abend haben wir mit einer spontanen Feier im Tischtennisraum ausklingen lassen.